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Story: Geschliffen, poliert, Einzigartig

Der Auftrag

Wer mich kennt, weiss: Ich bin technisch nicht sehr versiert. Wenn Sie mein Buch, »Die StoryKüche« gelesen haben, wissen Sie das vermutlich ebenso. Ich musste zuerst einmal herausfinden was mit einem »Beschlag« gemeint ist, als ich mit dem Projektleiter geredet habe, der für die zehn Meter lange Frischetheke bei Klötzer Delikatessen, Osnarbrück, zuständig war. Vermutlich hat der Projektleiter innerlich ziemlich gegrinst, als er meine Unwissenheit bemerkt hat: Die Besonderheit liegt darin, dass alle Glasflächen der Theke klappbar sind, so können sie besser geputzt werden – und alle Glasteile werden von speziell hergestellten CNS-Beschlägen gehalten. Lesen Sie hier die ganze Story eines dieser Metallbeschläge…

Die Story

Da lag ich. Bewegungslos, umgeben von Stein. Um mich herum nichts als Stille und Dunkelheit. Manche sagen, jene wie ich seien aus dem Fels geboren. Ich weiss nicht… Verstehen Sie mich nicht falsch, das Gefühl da drin war gar nicht so unan- genehm. Ich war einfach. Wenn ich so zurückblicke, war es eine wohlige Zeit.

Und dann. Dann kamen die Schmerzen. Zu- erst begann der Fels zu zittern. Geräusche kamen auf: Da war ein Bohren und Stampfen, ein Schleifen und Hämmern. Hätte ich gewusst, was das ist, ich hätte wohl Angst gehabt. Gleissend empfing mich, was Ihr Licht nennt. Unglaublich hell, schmerzvoll. Dazu zerrte und meisselte es an mir – bis ich splitterte. Und fiel. Einen endlosen, kurzen Moment lang. In eine Welt voller Schmerz.

Dann ruckelte und holperte es, und wir riefen einander zu, es werde schon alles gut werden. «Keine Angst!», hiess die angstvolle Parole. Plötzlich, tausendmal heller als jenes zuvor: Licht. Tageslicht. Gleich darauf ein neues Licht, rot und heiss.

Und ich, wir, wurden mitten hineingekippt. Alle schrien entsetzt. Die Schreie verhallten ungehört; wer versteht schon die Sprache des Erzes? Es war heiss, so heiss. Ich wollte zerfliessen. Ich zerfloss. Mit aller Kraft versuchte ich mich zusammenzuhalten, zu bleiben, was ich war. Ich zerfloss.

Als ich zu Bewusstsein kam, war ich wieder hart. Anders als vorher, gereinigt, neu irgendwie – doch immer noch ich, erst jetzt richtig ich. Man nannte mich zum ersten Mal bei meinem Namen: Edelstahl. Und ich begriff, ich war Teil eines Blockes. Mein Zweck? Keine Ahnung. Aber endlich auch keinen Schmerz mehr.

Irgendwann später kam der Schmerz zurück und das Licht. Es schnitt Stückchen von mir ab, ich wurde geschliffen, geglättet, poliert – und in eine neue Form gebracht. Als Beschlag. Und das von weichen Wesen, viel weicher als ich. So fand ich meine Bestimmung: Ich halte. Denn ich bin fest. Das Glas, das ich halte, bricht schnell und braucht Sicherheit.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Gerade sind wir auf grosse Reise gegangen. Nach Feinkostklötzerosnarbrück hiess es, was immer das sein mag. Alles, was ich weiss: Ich bin Teil eines Grösseren und werde die Weichen erfreuen, die Menschen. Die einen, weil ich so schön aussehe und einzigartig bin. Man hat mich extra hergestellt für ein Ding namens Jeka, auf dem Markt bin ich nicht erhältlich. Die anderen werde ich erfreuen, weil sich das Glas dank mir bewegen lässt – und besser putzen. Ich bin gespannt, die Weichen lächeln zu sehen. Endlich ist mir wieder wohl.

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Und so sieht die Story im Layout des Kundenmagazins aus.

Credits

Auftraggeber: Jeka AG, Arlesheim
Gestaltung: Binkertpartnerinnen, Zürich
Druck: Herzog Druck,Langendorf
Eine Arbeit von © Matthias Nold | Kommunikationskultur

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